Die Kackerei, laut und dünn und kurz

Opa, warum heisst es Bäckerei und Metzgerei, aber nicht Kackerei. Ich hab doch auch immer gesagt, ich muss kacken und dann musste alles ganz schnell gehen, weisst du noch?

Ja, warum auch nicht? Die Frage, „wo ist hier bitte die Kackerei?“ geht doch ganz gut runter.

Sitze also auf / in der Kackerei in einem 5 Sterne ADAC Super Platz in Südtirol. Irgendwie schon zu Recht – ich meine die 5 Sterne. Hat auch Schwimmbad und so. Liegt schön, wir sind froh, ihn eher zufällig angefahren zu haben mit unserem neuen Busserl und sind Tag um Tag länger geblieben.

Sitze also und schon stinkts mir. Nicht wegen der Hauptsache, sondern: Der Radio. Ich muss also jetzt Radio hören. Was ich nie mag, weil ich zwar Musik mag, sehr sogar, aber meine halt. Und schon gar nicht mit Gequatsche oder gar Nachrichten oder gar Werbung. Die meistens humorlos ist, aber aufgeregt, fast wie Fußball Kommentar – immer hart am Herzinfarkt entlang. Frag ich mich, warum die das machen, viele das machen. Glauben die, dann gehts leichter? Oder schneller? Kostet ja immerhin Geld, diese Lautsprecher überall zu haben, die im Übrigen nie gut sind, eigentlich immer schlecht sind. Für Musik nicht geeignet, jedenfalls nicht für Menschen, die Musik lieben. Machen halt Krawall. So wie im Bahnhof . Tauglich gerade für Verspätungsansagen.

Sitze also und mir fällt wieder mal auf, man kann wegschauen, aber nicht weghören, auch nicht wegriechen. Gegen den Geruch haben sie hier wirklich gut vorgesorgt, der wird abgezogen. Jedenfalls, bis das Licht ausgeht (komme gleich darauf zurück). Aber den akustischen Müll drücken sie mir rein. Was mich hemmt, weil ärgert. Soll heissen: schneller gehts jedenfalls nicht damit und lustiger auch nicht. Wissen die nicht, dass mittlerweile fast jeder seine eigene Musik in der Hosentasche hat und oft auch für andere unbeschadet hören kann, über Kopfhörer?

Ok, das ist der Punkt, morgen komme ich mit ziemlich schalldichten inears. Dann ist gleich wahlweise Ruhe oder eben meine Musik. Die mich auch nicht hemmt.

Und dann ist das Licht aus und die Lüftung auch. Aber: nein, der Radio nicht, der ist immer. Also Licht aus. Ich hab nicht auf die Uhr geschaut, aber ganz lang wars nicht. Ein Quickie auch nicht, aber die schlaue Frau, die Darm mit Charme geschrieben und noch schöner gesprochen hat, sagt ja, alles muss raus, sonst wird der Darm muffig. Der mag keine Quickies. Ist also dunkel. Wie in einem Büffel, wie meine Frau zu sagen pflegt. Ich winke oben raus. Bleibt dunkel. Naja, bevor ich jetzt aufstehe, um mal aus der Türe zu winken, schalte ich die LED vom Brettchen (aka Smartphone) ein. Reicht für die Orientierung im Häusl.

Ziehe am Klopapier Spender. Dünn. Sehr dünn. Ich nehms doppelt. Das war aber nicht die Lösung, fühle ich gleich. Schon passiert. Warum verwenden die (und viele andere) diese Nano Papiere? Ich frage mich, waren die je in ihrer eigenen Kackerei, in Echt, live, wirklich, mit allen Konsequenzen, bis zum bitteren Ende? Haben die nicht zuhause die 5 fach gerippten Hochsicherheits Hakle- Rollen, wahlweise mit Duft und Blümchen?

Warum sag ich das? Wir hatten auch das billigste Klopapier, als wir die Idylle am See übernommen hatten vor über 20 Jahren. Einen halben Lastwagen voll jeweils gekauft, total viel gespart. Und dann sagt ein Gast zu mir: Euer Klopapier ist der letzte Scheiß. Hab ich nicht vergessen und ich musste ihm Recht geben. Auch deshalb haben wir dann auf Ille umgestellt: dick und zäh und weich. 3 Rollen in einem großen hübschen Edelstahl Spender, also gut rechtzeitig nachfüllbar. Ist ja ziemlich viel, was den Gästen so am A.. Allerwertesten vorbei geht. War und ist teuerer, ja. Aber das ist nun mal ein wesentlicher Teil der Infrastruktur, für die der Gast bezahlt und die er gerne unfallfrei benutzt.

Zu „unfallfrei“, für Leute, die am Detail interessiert sind: Die nachträglich Mehrlagigkeit hilft nur begrenzt, weil wenn die untere Schicht anklebt, rutschen die oberen Lagen ab und die Misere ist wieder perfekt. Nur, dass nicht wer denkt, jeder Fehler kann nachträglich korrigiert werden mit gutem Willen.

Die Zusatzkosten kann ich verschmerzen, weil ich dafür die (sowieso schlechten) Lautsprecher gespart habe in unserer Kackerei. Wäre auch sowieso schwachsinnig gewesen, wenn ich zuerst eine Lüftung durch computergesteuerte Fenster oben mache, sodass wir echte Live Vogelmusik hören lassen anstatt Gebläse und dann Radio-Lärm drüberschütte.

Nein, so gut es geht, tue ich meinen Gästen nichts an, was ich nicht auch will. Als selbst Camper mit ehemals Kindern und Hund weiss ich ja, unter welchen Details unsereins manchmal leidet. (Deshalb auch keine Stopper oder Münzen in der Dusche)

Schon interessant, welche Unterschiede es gibt, auch auf hohem bis höchstem Niveau.

Um es klarzustellen: Wir kommen trotzdem wieder, die Wanderwege sind traumhaft, das Schwimmbad gut (bis auf den Radio auch dort) mit schönem Ausblick.

Es gibt noch einen Ort, an den wir trotzdem immer wiederkehren werden: Die beliebteste Therme Österreichs hat auch diese Art von Klopapier und „Musik“, wo sie nicht hingehört.

Ein Glück, dass wir beide gefunden haben 🙂

PS: bei Ruhestörung verstehe ich tatsächlich keinen Spaß, mag da ganz humorlos sein. Habe ich auch zu verschiedenen Gelegenheiten geschrieben. Erholung heisst auch Ruhe! Wir sind alle lärmgeplagt. Und Ruhe ist nur dort, wo sie keiner bricht. Einer reicht.

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