Zimmer 308

Die höchst amüsante Story vom Krankenhausurlaub mit Notbesetzung Camping Weichselbrunn.

Zimmer 308

steht für Tossy 3 Schulterkapsel Sprengung mit drei gerissenen Bändern durch Rad Flug am 08.08.18 . Ein Traum für Zahlenmystiker und Schicksalsgläubige, was ich nicht bin. Zimmer 408 hätte auch Sinn ergeben , nämlich 4 Rippen gebrochen.

Aber höher als 308 komme ich hier nicht. Da ist nur Dachboden und vermutlich kein guter Service.

Naja man muss nehmen was man kriegt. Bin sehr glücklich mit dem Einzelzimmer 308.

So wie es heute am Samstag 18.08.18 (auch wieder schön, oder?) aussieht darf ich am Montag nach Hause in die Rezeption. Dann waren es 12 Tage in diesem Hotelzimmer mit liebevoller und effektiver rundum Betreuung. Das sind immerhin 2 Tage weniger als die Ansage vom Oberarzt bei Einlieferung in die Intensivstation war. Genauer wissen es oft unsere Urlaubsgäste auch nicht. Die wollen auch manchmal heim obwohl es bei uns total schön ist, so geht’s mir jetzt auch. Man könnte auch sagen 2 Tage vorher entlassen wegen guter Führung. Also prozentual hat der Hoeneß mehr Erlass gekriegt. Aber ich bin zufrieden mit meinen zwei Tagen, ich hab’s ja auch nicht so dicke. Jonas weiß zu solchen Überlegungen, dass der Hoeness sich auch selbst angezeigt hat, ich hätte das versäumt.

Wo bin ich überhaupt? Ich bin nach meinem Flug gelandet in der Notaufnahme des Krankenhauses St. Barbara der Barmherzigen Brüder in Schwandorf , also dem Kreiskrankenhaus, sozusagen dem Krankenhaus von Camping Weichselbrunn.

Übrigens nicht eingeliefert mit Tatütata von Notarzt sondern privat von meiner Frau in unserem PKW, die mich von der Straße aufgesammelt hat. Ich wusste ja noch nicht welche Folgen meine unsanfte Landung hatte.

Wir sind also völlig unspektakulär um ca 12:30 in der Notaufnahme erschienen. Dafür und auch absolut gings völlig zack zack in den Schockraum . sofort die Grundfunktionen getestet und eine grobe Einschätzung der Verletzungen und ob insbesondere dem Kopf oder dem Genick nichts passiert ist. Irgendwann in dieser Zeit gab’s auch schon die ersten Schmerzmittel. Die waren dann wohl auch schon sehr nötig weil der Schmerz dämpfende Schock nachgelassen hatte.

Dann gings sofort zum Röntgen, oder richtiger gesagt ich wurde gefahren auf dem Untersuchungsbett. Nach gefühlten 5 Minuten Wartezeit fuhr ich in den Röntgenraum. Nach geschätzt 15 Minuten zurück im Schockraum und die gute und die schlechte Nachricht:

Die Lunge hat nichts abgekriegt aber 4 gebrochene Rippen rechts und ein hochstehendes rechtes Schlüsselbein. Ansonsten nicht der Rede wert Abschürfungen am rechten Schulterblatt und ein gebrochenes daumenendglied Links.

Häh? Wie lesen sich üblicherweise Stories über Notaufnahmen? Ewig warten auf irgendeinen Arzt und dann natürlich ewig warten auf weitere Untersuchungen wie Röntgen. Und dann natürlich Fehldiagnosen. Dass das hier ganz anders lief liegt vermutlich daran dass sie hier schon seit 11:30 Uhr wussten dass es mich kurz vor 12 Uhr zerlegt und dann dauert es immer noch 30 Minuten bis ich da bin. Also gehen wir heute mal nicht alle gleichzeitig zwei Stunden essen sondern machen einen guten Eindruck auf den Schießl. ?

Scherz beiseite, ich durfte Reaktionsgeschwindigkeit und Professionalität der Notaufnahme später nochmal genießen, als ich nachts auf der Toilette um ein Haar kollabiert wäre. Das war kein Zufall, die könnens einfach.

Naja so oder so vergebe ich hier 6 von 5 möglichen Sternen für diesen check in. Und bedanke mich für diese Spitzenleistung. Weil aber Punkteabzug sein muss für die schlechten Nachrichten, werdens leider nur 5 von 5 Sternen. Ich bin das so gewohnt von manchen Bewertungen für Camping weichselbrunn. Ich meine nicht die fünf Sterne absolut sondern den Punktabzug für teilweise spannende subjektive Defizite.

Was im Übrigen gleich ein Grund für diese Story ist: Ich weiß, wie gut positive Rückmeldungen tun und auch fürs Geschäft sind, mittlerweile. Und ich weiß, wie es schmerzt, wenn man Opfer von Trollen wird, die manchmal zwar 1 Stern reinhauen, aber zu faul oder zu blöd sind, auch nur einen Satz als Begründung zu schreiben. Oder zwar schreiben, aber abgrundtiefen Mist, der entweder gleich gelogen ist oder so maßlos übertrieben, dass es mit Realität nichts zu tun hat. Speziell bei den Google Bewertungen gibts solches Unwesen. Glücklicherweise aber auch viele begeisterte oder wenigstens zufriedene Gäste, die das mit 5 oder 4 Sternen kundtun und überwiegend des Schreibens kundig sind. Bei camping.info gibt es bisher solche Abgründe nicht, sind halt doch eher echte Camper dort. Danke an Alle, die ihre Begeisterung in 5-4 Sternen ausdrücken und uns so zu 4,8 von 5 verhelfen bei camping.info

Weil ich also nur begeistert bin von Leistung und Menschen im Schwandorfer Krankenhaus, ist mir das den Versuch einer Story wert, die durchaus auch kurzweilig sein darf 🙂 Ein bisschen bin ich auch angeschoben von einer Gästin, die mich ermuntert hat, doch die Story zu schreiben, weil sie lachen musste über meine Ansage zu diesem Unfall auf unserer Website.

Meine Frau war gleich wieder heimgefahren nach der Ablieferung und ich hatte ihr gesagt, sie braucht mich nicht zu holen nachmittags, ich fahre mit dem Taxi heim.

Hätte ich das den beiden Notärzten im Schockraum gesagt , hätten die vermutlich gleich noch ein CT vom Kopf angeordnet. So habe ich diesen Plan ganz diplomatisch für mich behalten. Und musste stattdessen als ungelernter Notaufnahmen Patient überrascht zur Kenntnis nehmen , dass ich mit einem Rippenserienbruch mindestens eine Nacht Intensivstation gebucht habe. Weil nämlich so eine spitze Bruchstelle immer noch die Lunge perforieren kann. Und dann müsste es schnell gehen mit Notoperation.

Nachdem diese beiden Ärzte offenbar überhaupt nicht in Verhandlungslaune waren , habe ich diesem gewissermaßen alternativlosen Vorschlag zugestimmt.

Und zack zack war ich auf der Intensivstation.

Irgendwer hatte mich vor dem Transport gefragt ob ich denn dann ein Einzelzimmer wollte und Chefarztbehandlung. Ich habe zwar ja gesagt, habe es aber für eine eher theoretische Frage gehalten. Weil Plan B war für mich dann eben morgen vormittag heim wenn mir heute Nacht nicht die Luft ausgeht. Und Rippen kann man nicht flicken , wozu brauche ich dann Chefarzt?

Apropos Chefarzt:

Ich habe mich kaum zu Hause abgemeldet per WhatsApp schon steht ein ernst blickender aber durchaus sympathischer Arzt vor mir , der sich als leitender Unfallchirurg vorstellt und mir ganz ungeschminkt sagt, ich hätte, so wie die Dinge liegen, bzw, so wie ich hier liege, etwa zwei Wochen Aufenthalt auf seiner Station gebucht. Sage ich, im Winter sehr gerne, aber jetzt muss ich heim weil zu Hause der Campingplatz voller Gäste ist und meine Frau alleine. Da war dann dieser Blick in dem mitschwang: also doch Kopfverletzung oder immer noch unter Schock. Amateur Patient eben. Gesagt hat er irgendwas über Schmerzen die nur mit Krankenhaus Pflichtigen Schmerzmitteln zu ertragen wären. Und wir würden uns morgen früh nochmal sprechen.

Aber ich höre ja zu und dachte, zwei drei Tage könnten es dann schon werden, wenn der mir so ernst kommt.

Und so war abends um 10 Uhr mein Sohn Florian aus München angereist und hat die Semmel Bestellung gemacht. Für Alarm um 15:59 Uhr auch nicht schlecht. 5 Sterne.

Vorher gabs aber hier zwei Dinge zu lernen. Erstens

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noch eine Ansage zur Lunge: Nicht nur, dass sie perforiert werden kann durch nachtragende Rippenteile, nein wegen Flachatmung durch Schonhaltung wegen Rippenschmerzen wird die Lunge nicht mehr ausreichend belüftet und neigt dann zur Entzündung. Das wäre dann im Kontext mit den Schmerzen durch die Rippen die Mega-Arschkarte und durchaus gefährlich. Deshalb hängt am Tropf sowieso schon ein Antibiotikum Fläschchen. Aber ich muß mit diesem Inspirator hier stündlich für 5 Minuten möglichst tief einatmen und dabei das Bällchen in der Schwebe halten. Nachts brauche ich aber deshalb nicht wach werden. Naja, immerhin. Als ich also so dran ziehe wie mir geheissen habe ich zwei Probleme: Erstens bekomme ich keine Inspiration, obwohl das groß draufsteht. Zweitens verstehe ich nicht, wie dieses Ding innen konstruiert ist, dass der Ball steigt, wenn ich ziehe. Beim reinblasen hätte ichs ja verstanden. Aber dieses Problem musste ich zurückstellen und durfte vermutlich das gute Stück auch nicht zerlegen. Wenn man das Gerät mit dem langen Schlauch so vor sich hält, sieht es aus wie eine Friedenspfeife.

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Vielleicht hatten die damals auch einfach Angst vor Lungenentzündung? Als militanter Nichtraucher bin ich aber sehr froh, dass ich meine Lunge nicht prophylaktisch ausräuchern muss, sondern nur Luft durchziehe.

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Als ich dann mal die Rückseite gesehen habe, ist mir klar geworden, dass die Inspiration nicht deutsch gemeint war, sondern englisch, und da ist sie eben keine, sondern einfach einatmen. Da hätte ich lange warten können.

Das zweite Problem ist komplexer, wenn auch gänzlich unerwartet: Pinkeln. Die entsprechenden Flaschen mit dem Fassungsvermögen von zwei Weißbier hatte ich ja schon gesehen, immer stehend (das ist wichtig für später). Als ich also pinkeln muß sagt die Schwester, setzen Sie sich an die Bettkante, halten die Flasche ran und los gehts. Nix ging los weil irgendwie die Bettkante gedrückt hat, da mag er nicht. Sag ich, kann ich mich hinstellen? Ja, klar, ich halte Sie. Wir stehen also da, bzw 2 stehen, einer nicht (wäre mir auch peinlich gewesen). Die Schwester hält mich an der Schulter und schaut demonstrativ weg. Nix geht. Ich bin so einer, der auch auf öffentlichen Mehrfach Urinalen nicht leicht kann, wenn wer daneben steht, oder genauer gesagt, ich hab so einen. Das merke ich da wieder ganz deutlich, dass er seinen eigenen Kopf hat, das hatten wir ja schon öfter und er setzt sich immer durch. Sage ich: So weit können Sie gar nicht wegschauen, dass er nicht bockt, solange Sie so nett meine Schulter halten. Er mag das leider nicht. Wir sind uns da auch nicht einig, aber er kann länger bocken als wir zwei stehen wollen. Sagt sie, sie darf mich aber nicht loslassen weil wenn ich umfalle, ist sie dran. Und sagt, vermutlich scherzend, wir können auch Katheter, wenn er so ist. Naja, ich weiss nicht mehr genau, aber ich glaube, sie hat sich dann doch getraut, mir zu trauen und ist auf Abstand gegangen. Langsam ist er dann aufgetaut und hat dann gemacht, wofür er hauptsächlich dran ist. Der Punkt ist, keine(r) hat uns gesagt, dass diese Flaschen

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deshalb diese eigenwillige Form mit der Abplattung haben, damit man im Bett im Liegen pinkeln kann. Und so hats später erst mal noch sehr unangenehme Zustände gegeben, bis wir das gelernt haben von einer anderen Schwester. Man soll halt nicht als ungelernter Patient ins Krankenhaus wollen. Einen Vorwurf kann ich uns da aber trotzdem nicht machen, dass wir das nicht überrissen haben. Immerhin arbeiten Eltern jahrelang an Kinder hin, dass alle Beteiligten begreifen, dass im Liegen nicht gepinkelt wird, nie. Ich bin also in dieser Nacht ein paar mal aufgestanden, habe von oben nach unten in die Flasche entleert und mich wieder hingelegt.

 

 

 


Jetzt kommt erst mal der zweite Grund für diese Story: Welche Ausrüstung braucht man, um vom Krankenhaus aus die zukünftige Notmannschaft zu Hause zu unterstützen? Ich denke, ich habe da ein ganz ansehnliches Repertoire oder auch Survival Kit, wie der Oberpfälzer sagt, angesammelt. Diese Schätze will ich gerne hier teilen. Vielleicht hilfts mal einem Gast in ähnlicher Situation. Wir liefern ja ab und zu Gäste in dieses Haus, wo sie dann umgewandelt werden in Patienten. Ein besonders skuriller Fall war Auch ein Freudensprung will gelernt sein.

Ich darf dazu noch sagen, Camping Weichselbrunn ist personell nicht für Urlaub im Sommer ausgestattet :-). Nicht missverstehen: Für den Urlaub unserer Gäste offenbar schon, deshalb 3 Jahre bei camping.info unter den 100 beliebtesten Plätzen Europas. Ich meine „Urlaub“ von mir oder meiner Frau. Leider ist es auch so, dass mein Ausfall nicht nur quantitativ ein Loch reisst, sondern inhaltlich ein riesiges. Einige Spezialitäten am Computer mache nur ich. Und zickende Technik überrede nur ich. Ist halt so, dafür kann ich nicht kochen, aufräumen, waschen und Blumen betüteln und immer freundlich sein.

So ist also die Situation in diesem Moment: Ungefähr insgesamt 6 funktionsfähige Finger an zwei Händen, ein Smartphone (von uns genannt Brettchen) LG V20, (ein Traum!), Brille im Auto vergessen. Kein Kabel, keine Powerbank, Akku für vielleicht noch 6 Stunden unter Arbeit. Ich aber wild auf arbeiten, hatte ja noch keine Ahnung, welche Schmerzen noch kommen werden.

Also erste Liste für Transport zu mir in whatsapp getippt. (Es tippt sich mühsam im Liegen). Aber Telefonieren ist ineffizient und ausserdem nicht so gefragt dort, weil sonst keiner telefoniert, weil er beispielsweise im künstlichen Koma liegt. Weiß zwar nicht, warum das den gestört hätte, bei dem hat sogar ein Priester ins Leere gesprochen, obwohl so laut, dass meine Jabras keine Chance hatten gegen seine peinlichen Sprüche.

Schwager Theo kommt noch am Abend, bringt mir meine Powerbank Genius von Noco, die eigentlich ein mittelgroßer Notstarter fürs Auto ist, diverse lange USB Kabel und zusätzlich natürlich das USB Netzteil. Warum Powerbank? Weil insbesondere in der Intensivstation nicht unbedingt eine Steckdose für den Gast frei ist, der hier Patient heißt und eigentlich Ruhe geben soll, wenn schon so krank, dass Intensivstation fällig ist. Auch im normalen Zimmer gibts nicht immer (genügend) Steckdosen für Patienten. Habe ich bei meiner Frau gelernt, die hat leider mehr Übung in Krankenhäusern. Siehe beispielsweise Selbstversuch zur Rollstuhltauglichkeit von See-Camping Weichselbrunn und Schnüre reparieren im ReparatUrLaub.

Modernerweise braucht man mittlerweile USB 2 und USB 3 Kabel oder Adapter. Die Kabel dürfen gerne 2 m lang sein, 3 m können auch nötig werden.

Brille natürlich, Ohrhörer, in dem Fall Jabra Elite Sport, zufällig vor ein paar Tagen angeschafft zum Testen. Mit denen kann ich natürlich telefonieren und Musik hören (Spotify) oder Hörbücher (Audible) und mich etwas abschirmen gegen die ständigen Alarme der Überwachungsgeräte anderer bedauernswerter Patienten. Mich meinte ich damit nicht, wollte ja eigentlich morgen heim.

Naja, trotz aller doch erstaunlichen Gelassenheit, jedenfalls nachdem ich wusste, dass Florian unterwegs ist und um 21:45 ankommen wird lt Navi wird die Nacht fast schlaflos, weil viel Action in der Intensivstation. Die Kommunikation läuft über whatsapp, weil das alles kreuz und quer zu telefonieren wäre höchst nervig und ineffizient. Glücklicherweise haben wir schon lange eine Gruppe für die ganze Familie. Auch das erste SOS meiner Frau um 15:59 geht über whatsapp an alle, 3 Minuten später die Antworten meiner Söhne wer als erster kommt.

Florian ist die erste Wahl, weil er schon 2 Mal in der Hochsaison je eine Woche gemacht hat, also alle Programme bedienen kann. Jonas ist dann fürs Wochenende geplant, braucht noch etwas Übergabe von Florian. Aber weil Informatiker und auch sonst nicht schwer von Begriff, sollte das in kurzer Zeit möglich sein. Vorausgesetzt ich bin dann verfügbar für Fragen.

Um 21 Uhr habe ich das Stromzeug und die Brille, danke, dass Theo noch reindurfte in die Intensiv um diese Zeit. Ist vermutlich nicht selbstverständlich. Er musste auch gleich wieder raus, aber das war in Ordnung, nach smalltalk war sowieso keinem und Fakten gehen über whatsapp.

Um 22:39 habe ich WLAN! Mein Mobilfunkvertrag ist zu schwach für solche Aufgaben. Auch hier ein großes Lob an die Mannschaft und Frauschaft der Intensivstation: Nachdem ich klar gemacht hatte, daß mein Brettchen, wie ich das Smartphone nenne, existentiell für die Unterstützung des Campingplatzes ist, zaubern die mir in der Nacht den WLAN Key! Ich schätze mal, die allermeisten Schwestern, Ärzte würden eher sagen, geht nicht, hamma nicht, kann nachts keiner, gib jetzt Ruhe, Kranker, Internet Junky, sei froh dasd no lebst.

Apropos noch lebst. In den letzten Stunden ist gefühlt hundertmal der Film meines Sturzes gelaufen. Wie habe ich das geschafft , wie bin ich aufgeschlagen? Mir ist sehr klar, daß das auch anders hätte enden können. Unter anderem so, dass diese Story der Welt erspart geblieben wäre. Meine Lieblings Alltags Kabarettistin , die Martina Schwarzmann hat dazu ein wunderschönes Stück , Glückstag heid:

Wirklich sehr hörenswert! ist allerdings für Migranten ohne stabile bayrisch Kenntnisse nur bedingt verständlich. Martina hat eine Auszeichnung bekommen für die Pflege der bayerischen Mundart. da kann’s aber nix dafür weil sie nämlich gar nicht anders kann. Streng genommen kann die kein Wort Deutsch.

Zwischen 21 und 23 Uhr haben Jonas (in Markt Schwaben) und ich eine erste automatische Antwort auf dem email Server, die Gäste mögen Geduld haben, nicht telefonieren, Reservierungen sind momentan nicht zu bewältigen.

Und ich kann nachts in evernote nachschauen, wann die letzte Tetanus Auffrischung war. Glücklicherweise in 2017. Evernote ist ein sehr mächtiges Notizensystem, mit dem ich seit Jahren arbeite. Läuft auf allen Computern und Smartphones und im Web-Browser und alles ist überall synchron. Kostet im Grundausbau nichts und in der Profi Version nicht viel.

Am nächsten Tag, Donnerstag, steht um 8 Uhr Physiotherapeutin Julia am Bett, ich soll mal gehen mit so einer Art Rollator, mit dem auch Sturzbetrunkene gehen könnten. Ziel ist, zu erkunden, wo wieviel Schmerzen sind. Wegen der Entscheidung, ob die intravenöse Schmerzpumpe ausreicht oder eine PDA in die Wirbelsäule gesetzt wird.

Da dämmert mir erstmals, dass die Schmerzen ohne diese Voodoo Mittel sehr stark sein müssen, sonst würden die nicht von Anfang an PDA erwägen. PDA wird Frauen bei der Geburt angeboten und lässt sogar einen Kaiserschnitt zu. Aber Julia und der Intensiv Arzt sind zufrieden mit mir, noch bin ich schmerzfrei. Also bekomme ich die mobile Pumpe für den intravenösen Zugang ans Bett.

Am frühen Nachmittag darf ich auf Zimmer 308. Randlage mit Balkon. Einzelzimmer. Quasi wie Seeblick am Campingplatz. Oder wie Rolf Miller sagt, wenn blöd, dann gscheit.

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308

Dort kann ich dann mit google Spracheingabe diktieren und der Text erscheint leidlich richtig in whatsapp. Manches ist krass falsch, kann aber oft pro Wort aus einer Liste korrigiert werden, die google in der Reihenfolge der Wahrscheinlichkeit sortiert pro Wort oder Wortgruppe mitsendet. Manches lässt man einfach falsch weil noch verständlich. Wichtig ist, dass alles geschrieben wird, weil wenn jeder nur Sprachnachrichten verschickt, kann man nichts mehr suchen oder schnell mal nachsehen. Für den Sender einfacher, aber für alle Leser Mist. Wers noch nicht gemacht, hat, einfach mal probieren, ist schon erstaunlich gut! Verzeihung, wenn da der Ingenieur und Software-Mensch mit mir durchgeht: Das ist schon ziemlich sehr gut. Für die meisten ein Wunder. Ausser es sind solche, die das alles nicht mehr mitbekommen, weil sie hauptsächlich Angst haben vorm bösen Google Wolf. Oder ein Smartphone in ihrem Alter nicht mehr anfassen. Leben ja nur noch 20-30 Jahre in dieser Welt, jedenfalls statistisch.

Und auch bisweilen arg witzig:

ich sage „Tag 6 im Krankenhaus“ und google schreibt: „Talk Sex im Krankenhaus“.

oder

Ich will „Unfall Chirurgie“ einsprechen und schon schreibt er „Unfall schön reden„. Er sie es denkt also durchaus mit. KI halt.

oder auch sehr gut und akustisch tatsächlich sehr naheliegend:
die Schwester die ich gestern gewaschen hatte

anstatt
die Schwester die mich gestern gewaschen hatte

Es ist also besser, man liest nochmal drüber. 🙂 so mancher Verhörer könnte ziemlichen Ärger machen, der mit der Schwester zum Beispiel. Vielleicht würde meine Frau nicht so gut finden, wenn ich hier Schwestern waschen würde. Man stelle sich die Ausrede vor: google hat mich mit der Schwester verwechselt oder die Waschrichtung. Das glaubt mir doch keiner dann.

Oder man schreibt drunter: Wenn Mist im Text ist, wars google. Blöd ist nur, siehe das Beispiel mit der gewaschenen Schwester, wenn man nicht erkennen kann, dass es falsch ist. Das ist sowas wie die unknown unknowns von Rumsfeld damals, aber das führt hier leider zu weit. Obwohl dieser Spruch vermutlich das beste war, was dieser Blödmann auf die Reihe gekriegt hat. Weiss nur nicht, ob er es wirklich durchdrungen hatte. So wie man bei Trump nicht weiß, was er weiß oder nicht oder wissen will.

Ich frage mich, ob es nicht vielleicht schon eine besonders hohe Stufe von Humor ist, die dieser Google Diktator drauf hat? Also so hoch, dass sie sich mir nicht erschließt. Glaube ich aber nicht.

Unangenehm ist nur, dass er Interpunktion mal macht, aber auch oft ausschreibt und die dann teils zur Korrektur anbietet, oft aber auch nicht.

Man braucht allerdings eine halbwegs schnelle Internetverbindung. Dann kann man manchmal sehen, wie kurz eine erste Hypothese geschrieben wird, die dann nach 1 Sekunde korrigiert wird, manchmal mehrmals. Das muss echt anstrengend sein für NSA und all die anderen Mitleser, diese Varianten auf die Reihe zu kriegen. Blöd nur, wenn die Drohne kommt wegen so einem Versprecher. Man wäre dann vorläufig tot und 1 Sekunde später kommt uuups, sorry, nicht richtig hingehört. Er hat die Schwester nicht gewaschen, sondern sie ihn. Sie darf, er nicht. Sonst metoo im Krankenhaus.

Bei lahmem WLAN wie hier im Krankenhaus ist aber gleich ausgegoogelt. Da musste ich dann doch mein Mobilfunk Volumen stark erhöhen. Dann gehts aber zackig. Von nix kommt nix.

Ich rufe dazu bei der mobilcom debitel Hotline an und fürchte mich schon mehr als vor der Intensivstation. Schleifen am Anfang, DatenschutzFirewallüberwindungskennwort, warum geboren, welches Handy darf ich Ihnen andrehen, wenn sie 2 Jahre buchen. Ich komme ziemlich schnell durch, mit 2 mal drücken Sie die 1 oder 2 habe ich eine nicht ganz richtig deutsch sprechende Frau dran. Ich sage: Ich bin ein Notfall, 4 gebrochene Rippen, kaputte Schulter, brauche schnell schnelles Internet mobil und fragen Sie mich nicht blödes Zeug. Sagt sie: Wir verstehen uns, ich hatte 6 Rippen, Halskrause, Becken. Ich sehe Ihre Nummer, das reicht mir. Folgende Optionen haben wir, wenn sie bei der Telekom bleiben wollen … Tja, Glückstag heute eben. Darf auch sein, bin seit dem ersten Handy bei dem Laden, das war so schwer, wenns auf den Fuß fällt, hinkst du drei Tage (wer kennt das Zitat?)

Das schlappe Gast Internet führt aber nicht zum Punktabzug weil nicht Kernkompetenz Krankenhaus. Ausserdem mosert man nicht über geschenktes WLAN. Sage ich auch unseren Gästen 🙂

Zum Thema lahmes Internet gibts am Rande eine schöne Twitterperle: Wenn Jesus mit Glasfaser erwürgt worden wäre, hätte die CSU schon längst Glasfaser in jedes Haus gelegt. Anstatt Zwangskreuzen, Herr Söder.

Ich muss noch erklären, dass mein rechter Arm samt Hand eng am Körper und zu hoch für Schreiben auf dem Brettchen angebunden war und mein linker Daumen einen harten Knickschutz hatte. Das macht das Schreiben dann doch mühsam. Dann doch lieber Spaß mit googles Hörfehlern haben.

Eine andere Twitterperle zeigt allerdings, dass auch Menschen schwer daneben liegen können: Mama sagt zur Tochter: Ich hab mir jetzt gegen meine Cellulite so eine Fotzenrolle gekauft. Mama, das heißt Faszienrolle!

twitterperlen.de hat meine Laune signifikant gehoben, hat aber auch Schmerzen verursacht, weil die Rippen noch nicht lachen können beim Lachen. Aber gute Laune geht vor 🙂 Kann ich auch Nicht-Verunfallten empfehlen.

Oder die nicht Wenigen, die Rezessionen schreiben anstatt Rezensionen. Sollens halt lieber Bewertungen schreiben.

Also lasst Milde walten bei googles Diktatschwäche.


Zwischenbericht am Sonntag 19.08. Mittag: Einer Überstellung in die Reha morgen steht nichts mehr im Weg. Daumenschutz ist nicht mehr nötig, ich kann wieder 10 Fingrig schreiben. juhu.

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Schwein gehabt


Zwischenbericht am Freitag 24.8.18:

Ich bin auf Reha in Camping Weichselbrunn und es ist nun 1 Woche seit Operation der Schulter. Wenn etwas weniger Gästearbeit anfällt, versuche ich weiterzuschreiben. Mittlerweile haben sich einige Fans gemeldet mit begeisterten Kommentaren und natürlich Fragen zu Ursache und weiterer Abwicklung. Ich werde alles beantworten, aber wie gesagt, Geduld. Arbeit am Gast geht vor. Nur soviel, es geht mir gut, saugut sogar.

Was ich gerne schon mal zur Verfügung stelle ist meine Playlist Krankenhaus auf Spotify. Diese Songs haben mir viele schöne und spannende Stunden geschenkt. Danke Spotify und Jabra und Samsung Level Over. Das war Leiden auf höchstem Niveau.


Ergänzung 19.9.18

Es ging bisher nicht weiter mit dieser Story, weil ich momentan die größte Katastrophe meines Lebens bearbeiten muss. Dagegen ist die hier geschriebene  Story Kindergeburtstag, echt. Aber das ist buchstäblich eine andere Geschichte, die hier auch nicht erscheinen wird.

Was ich aber nachtragen will, ist eine Teil-Antwort auf die Frage, wie ist es denn passiert? Wieso fliegt ein Rad bzw dessen Reiter, obwohl das Gerät dafür nicht gebaut wurde?

Beginnen wir bei der Ursache der Ursache. Psychologen (meine Schwester ist so eine) fragen dann gerne, nach dem Hintergrund, also was war im Kopf vorher. Die denken dann an schwere Gedanken, tiefgründige Ablenkung, vielleicht irgendeine Art von Autoaggression oder den Wunsch nach dem Kick. Darüber habe ich nachgedacht.

Apropos nachgedacht, da ist erst mal ein Einschub nötig. Im genialen „Secret of life“ von Gretchen Peters (nix für Leute mit Göttern), gibts am Anfang die Passage:

One of ‚em says, „You know I’ve been thinking“
Other one says, „That won’t get you too far“
Also: einer sagt: ich habe nachgedacht, der andere antwortet: Das wird dich nicht weit bringen.
Solche Ansagen mag ich. Obwohl ich nicht sicher weiß, was sie genau meint. Ist die Betonung auf „Dich“ oder ist es allgemein gemeint, also für jeden. Letzteres finde ich besser, weil’s dann halt für jeden was ist.
Ich habe also nachgedacht, und es hat mich doch weiter gebracht: Meine Frau hatte vor 4 Jahren einen viel weniger spektakulären Unfall, der ihr einen unhappy triad im Knie eingebrockt hat: 3 Bänder im Knie gerissen. Damit hatte sie eine ganze Weile Spaß.
Hat zwar eine Weile gedauert, aber ich wollte wohl da nicht weniger können, als meine Frau. Also auch 3 Bänder. Und weil ich lieber mehr kann, 4 Rippen oben drauf. Jetzt bin ich Sieger. Ausserdem war mein Timing besser. Meine Frau hatte das ja Ende April zu ihrem Geburtstag inszeniert. Möglicherweise nur, um keine Geburtstagsgäste betüteln zu müssen, wer weiß? 8.8. ist da doch spannender. Weil voller Platz.

 

Faszinierender Weise ging dieser Aspekt gestern weiter, aber nicht gut aus für mich. War mit meinem Sohn in meinem Lieblingskrankenhaus bei einem anderen Chefarzt, der Innereien mit einer Voodoo Maschine anschauen kann. Der hat dann am Ende erzählt, er hätte auch einen Tossy 3 gehabt, aber 8 Rippen. Mist, wieder nur 2ter Sieger.

Aber immerhin ist das der Grund, warum ich diese Erklärung hier nachgeschoben habe.

Möchte gerne hinzufügen: Sollte ich mal ein Problem in meinem Bauchraum vermuten, weiß ich, wem ich mich sehr gerne anvertrauen werde. Weiß der Geier, woher dieses Krankenhaus so viele für mich kompatible Gesprächspartner und Könner nimmt.


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4 Antworten zu Zimmer 308

  1. Jürgen Ring schreibt:

    Lieber Herr Schießl! Meiner lieben Frau und mir tut es natürlich leid, dass Sie den Unfall erlitten haben. Leider muss Ihnen aber auch entgegengehalten werden: Sie haben ganz offenbar aus dem Vorfall „Freudensprung“ im Jahre 2012 nichts gelernt oder das Gelernte wieder vergessen
    oder noch schlimmer: zwar gelernt, aber in den Wind geschlagen, ja mei! Also, ich erkläre es noch
    einmal: Wenn schon ein stationärer Sprung so schwerwiegende krankenhauspflichtige Folgen
    haben kann, dann muss sich doch einem Menschen, sofern er nicht Trump-Wähler oder von ähn-
    licher Beschaffenheit ist, geradezu aufdrängen, wie gefährlich Stürze im m o b i l e n Zustand
    sein können, insbesondere dann, wenn das Fortbewegungsmittel ein Fahrrad ist! Also, her mit Stützrädern!

    Am Rathaus in Lindau/Bodensee sind an die Fassade lehrreiche Sprüche gemalt und einer davon
    lautet: „Rat nach Tat kommt zu spat.“ So ist es nun auch in Ihrem Fall, aber hätten Sie uns vorher
    gefragt, so hätten wir zu angemessener Vorsicht beim Radfahren geraten, ehrlich! Nun bleibt uns
    nur, Ihnen gute Besserung und folgenlose Ausheilung Ihrer Blessuren zu wünschen. Wir hoffen,
    auch Ihrer Frau geht es wieder so gut, dass Sie beide das Geschäft stemmen können und bald
    auch auf die Unterstützung Ihrer Söhne nicht mehr angewiesen sind.

    Wie sieht es denn im Übrigen in Weichselbrunn aus? Wer von den „Alten“ ist noch da und wie geht es ihnen? Grüßen Sie bitte die lieben alten Bekannten!

    Wir haben das Reisen mit dem Wohnwagen einstellen müssen. Das Sehvermögen meiner Frau
    lässt diese Art von Reisen nicht mehr zu; fremde Umgebung und die daraus resultierenden Un-
    sicherheiten kann sie nicht mehr bewältigen. So haben wir den Wohnwagen an Bekannte ver-
    kauft und die sind nun ganz aufgekratzt des guten Gerätes wegen. Bei uns bleibt eine gewisse
    Wehmut, aber auch Dankbarkeit, so viele schöne Jahre als fahrendes Volk erlebt zu haben. Bodenwöhr nimmt dabei einen Spitzenplatz ein. Eine Tour zum Brauerei-Gasthof Jacob ist ange-
    dacht. Aber: Prognosen sind immer schwierig, besonders wenn sie sich auf die Zukunft beziehen.
    (Mark Twain)

    Voller guter Erinnerungen an unsere zweite Heimat und auch ein wenig wehmütig grüßen wir
    die Familie Schießl!

    Angelika un Jürgen Ring aus Bremerhaven

    • weichsi schreibt:

      freue mich sehr, von Ihnen so gewohnt ausgefuchste Zeilen zu bekommen. Habe gerade noch nicht viel Zeit, deshalb nur so viel: Später hätte ich es auch früher gewusst. 🙂

  2. Kremer Andrea schreibt:

    Lieber Herr Schießl, habe es nun doch endlich geschafft Ihren Krankenhausbericht zu lesen und habe mich wirklich super amüsiert dabei. An Ihnen ist ja echt ein Komiker verloren gegangen 🙂
    Leider bin ich nicht so sprachgewandt und eloquent, sonst würde ich Ihnen auch einen lustigen Kommentar zurückschreiben, aber so kann ich Ihnen nur sagen, dass ich sehr viel gelacht habe und viel Spaß beim Lesen Ihrer Krankenhaus-Erlebnisse hatte.
    Viele liebe Grüße aus Niederbayern

  3. Grabnestein schreibt:

    Grüß Gott Herr Schießl
    Hier die versprochene Rückmeldung aus dem Schwabenland.
    Das beste aus der Situation machen mit Humor die Heilung beschleunigen, herzlichen Glückwunsch, sie schaffen das vorbildlich.
    Weiterhin viel Erfolg bei Reha und beim schreiben, ermuntert auch „Gesunde“
    Bis zum Sommer 2019 alles Gute und Schöne Grüße

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